Fiume: Der wohl schrägste Staat der Geschichte
Shownotes
Im September 1919 führt der italienische Dichter Gabriele D'Annunzio Hunderte Kämpfer in die mehrheitlich von Italienern bewohnte Stadt Fiume. Sie besetzen Fiume – und unter D'Annunzios Führung entsteht ein einzigartiger Kleinstaat.
Diese Folge erzählt die unübersetzbare Geschichte von Fiume: Vom Alltag aus fanatischem Nationalismus und Drogenrausch, ungezügeltem Leben und brutaler Unterdrückung. Von einem Ort, der 15 Monate lang zum Zufluchtsort für traumatisierte Veteranen, Künstler und Anarchisten wird – und zur Hölle für die slawische Minderheit in Fiume. Vom Dichterfürsten D'Annunzio – und davon, wie er ein ganzes Land in den Weltkrieg treibt.
Zu Gast in dieser Folge ist der in Österreich seit Jahrzehnten erfolgreiche Autor, Kabarettist, Schauspieler Dirk Stermann, dessen Roman "Die Republik der Irren" vom unfassbaren Leben in Fiume handelt.
Das ist die 25. Folge von Kurz gesagt: Italien – dem Podcast, der Italien erklärt. Wort für Wort.
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Passaparola – Mundpropaganda
Im Passaparola empfehle ich diesmal drei Werke, um noch tiefer in die Welt von Fiume und den Futurismus einzutauchen:
- Das Buch „Die Republik der Irren“ von Dirk Stermann (Rowohlt Verlag, 2025).
- Das DLF-Feature zur Musik der Futuristen (Deutschlandfunk Kultur).
- (Für alle, die Italienisch lesen:) Das Buch „Disobbedisco. Cinquecento giorni di rivoluzione. Fiume 1919-1920“ von Giordano Bruno Guerri.
Über diesen Podcast
Kurz gesagt: Italien hilft dabei, Italien besser zu verstehen. Der Podcast nimmt Folge für Folge ein unübersetzbares italienisches Wort unter die Lupe, hinter dem eine spannende Geschichte über dieses wundervolle und komplizierte Land steckt.
Bonusepisode: Für alle Mitglieder (Primo- oder Secondo-Mitgliedschaft) gibt es das Interview mit Dirk Stermann in voller Länge als exklusive Bonusfolge. Darin geht es auch darum, wie das Erbe von Fiume bis heute in Italien nachwirkt.
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In dieser Episode verwendete Quellen
(1920) Karte zum Hunger in Europa aus der US-Buchreihe “Harper’s Pictorial Library of the World War”
(1932) Eintrag im Lexikon des italienischen Verlags Treccani zur Geschichte der Stadt Fiume/Rijeka
(1910) Lied “La più bella del villaggio”, in einer Aufnahme der Sängerin Maria Campi
(1911) Zeitungsanzeigen deutscher Firmen in Italien (Corriere della Sera, Ausgabe vom 20. März 1911) (Kein Link, da Printbeleg)
(1990) Lied “Ottocento” von Fabrizio De André
(1915) Italienischer Originaltext des Londoner Vertrags (PDF)
(1986) Lexikoneintrag mit ausführlicher Biografie von Gabriele D’Annunzio (Treccani)
Text der Stiftung “Il Vittoriale” über D’Annunzios luxuriösen Lebensstil in der Villa Capponcina
(1915) Foto von Gabriele D’Annunzio während seiner Brandrede in Quarto di Genova
(2018) Historische Zusammenfassung der Tage bis zum Kriegseintritt Italiens im Mai 1915
(2018) Artikel der Onlinezeitung “Il Post” über Gabriele D’Annunzios Propagandaflug über Wien
(1919) Artikel “Un altro discorso di D’Annunzio” aus dem Corriere della Sera vom 7. Mai 1919
(1909) Tommaso Marinetti: Manifest des Futurismus, italienische Originalfassung
(1909) Tommaso Marinetti: Manifest des Futurismus, deutsche Übersetzung (PDF)
[(2021) Masterarbeit von Silvia Cornacchiari: "Der Vittoriale degli Italiani und die Erinnerung an Gabriele D’Annunzio in Italien" (Aktuell ohne Freigabe zur Veröffentlichung)]
(2020) Artikel bei "Storie di Napoli" über Harukichi Shimoi, den japanischen Gelehrten in Fiume
(2020) Porträt des Kampffliegers und Exzentrikers Guido Keller im Magazin "Frammenti Rivista"
(2020) Artikel der Zeitung “Il Giornale” über Guido Kellers provokanten Flug über Rom
Copyright-Block
Idee, Recherche und Produktion von "Kurz gesagt: Italien" sind von Sebastian Heinrich.
Die Titelmelodie ist der Song "Italian Singing Hip Hop" von Cullah, veröffentlicht mit einer Creative-Commons-Lizenz.
Die Zwischenmelodien sind von Dominic Ward, ebenfalls mit einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.
Transkript anzeigen
: „Hier ist das Paradies der Jugend, wo die wildesten Kindheitsträume junger Männer wahr werden.
00:00:08: Alle scheinen um die zwanzig Jahre jung zu sein.
00:00:11: Einige der gesetzteren Männer sind vielleicht fünfundzwanzig, und von Zeit zu Zeit unterstreicht eine ältere Person die Unreife der überwältigenden Mehrheit.
00:00:22: Im starken Gegensatz zu der apathischen Gleichgültigkeit der Stadtbewohner, deren Kinder ausgeschifft worden sind, herrscht unter den Eroberern eine Atmosphäre der Begeisterung, der Heldenverehrung, des Selbstbewusstseins und der Lebensfreude.
00:00:38: Eine ganz und gar außergewöhnliche Atmosphäre – wenn man bedenkt, dass diese triumphierende, vor Lebensfreude sprühende Jugend seit über einem Jahr eingesperrt ist in diesem engen Raum.
00:00:53: Hier sind die Arditi della Guardia – die Elite der italienischen Stoßtruppen –, die praktisch nackt kämpfen, nur mit einem Stahlhelm und Nagelschuhen, einer kurzen Hose unter dem Ledergürtel,
00:01:05: und die große Bündel Handgranaten und ein kurzes, breitklingiges Grabenmesser bei sich tragen.
00:01:12: In Fiume tragen sie jedoch Gamaschen, graue Pullover und eine recht vorteilhafte graue Tunika mit Rollkragen, deren Revers mit übereinander angeordneten Auszeichnungen bedeckt sind.
00:01:24: Als Kopfbedeckung dient ein schwarzer Fes, ein Filzhut mit flachem Deckel, von dem eine lange Schnur mit einer riesigen schwarzen Quaste zwischen ihren Schultern baumelt.
00:01:36: Diese Tracht betont eher ihren prächtigen Körperbau, als dass sie ihn verbirgt.
00:01:42: Neben den Arditi sind da noch Legionäre, Grenadiere, Maschinengewehrschützen, Bersaglieri, Kavalleristen, Flieger und Freiwillige, die allesamt Uniformen tragen, die nach persönlichem Geschmack zusammengestellt sind.
00:01:58: Oberhalb der Stadt,
00:01:59: am Ende einer steilen Straße mit stufenartigen Bürgersteigen, befindet sich der Palazzo, über dem die italienische Flagge weht – und die violette, goldene und blaue Trikolore von Fiume.
00:02:17: Von hier aus regiert der illustrissimo Commandante Gabriele D'Annunzio seinen Kleinststaat.
00:02:26: Seit dreizehn Monaten lebt Fiume ohne Arbeit. Die Hafenkais sind verlassen, die Eisenbahn ist mit Unkraut überwuchert, die Fabriken sind größtenteils geschlossen –
00:02:37: die Whitehead-Torpedofabrik, die im Jahr 1913 noch 1.800 Männer beschäftigte, hat heute nur noch etwa 350 Arbeiter.
00:02:45: Das Geschäftsleben in der Stadt beschränkt sich auf die Versorgung mit dem Nötigsten und auf einen geringen Handel mit Triest, Venedig und Teilen Dalmatiens.
00:02:55: Und doch werden auf völlig unerklärliche Weise die Soldaten bezahlt, die Arbeitslosen erhalten Zuwendungen, es gibt reichlich zu essen, und im Vergleich zu anderen italienischen Städten ist das Leben günstig.
00:03:08: Die Soldaten und Matrosen erhalten regelmäßige Rationen der italienischen Armee, mit einigen Zugaben und zusätzlichen Weinrationen.
00:03:15: Von allem gibt es im Überfluss, auch von Geld.
00:03:20: Fiume ist heute die einzige Stadt, in der man echtes Weizenbrot aus feinstem Weißmehl bekommt.
00:03:26: Es schmeckt wie Kuchen.
00:03:28: Tatsächlich konnte D'Annunzio neulich 2.000 Tonnen Weißmehl an die Österreicher verkaufen.
00:03:35: Ein weiteres Merkmal des Rätsels um Fiume, das an das Wunder der Brote und Fische erinnert, ist der enorme und nie schwindende Vorrat an Munition –
00:03:45: reguläre italienische Munition –, obwohl fast täglich große Mengen davon bei Scheingefechten und Übungen verbraucht werden.
00:03:55: D'Annunzio prahlte mir gegenüber damit, dass seine Männer bei der Ausbildung seiner Sturmtruppen mit scharfen Handgranaten unter einem Maschinengewehrfeuer 30 Zentimeter über ihren Köpfen vorrückten.
00:04:07: Seine Verluste, meist durch vorzeitige Explosionen von Handgranaten, belaufen sich manchmal auf ein Dutzend pro Tag.
00:04:15: Natürlich verschafft all dies seinen jugendlichen Anhängern Nervenkitzel – jenen Nervenkitzel, der für sie so lebenswichtig ist wie die Luft zum Atmen.“
00:04:29: Der Mensch, der diesen Text schreibt, kommt offensichtlich aus dem Staunen nicht heraus.
00:04:35: Staunend über diesen Ort, den er im Oktober 1920 besucht hat – ein Ort, an dem sich eine unfassbare Geschichte abspielt.
00:04:43: Eine Hafenstadt, die von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten ist, in der Werften und Fabriken fast brachliegen und teilweise verrotten – und in der trotzdem Überfluss zu herrschen scheint.
00:04:54: Eine Stadt, in der von außen gekommene Kämpfer mit ihrer fast ungehemmten Gewalt, mit ihrem jugendlichen Übermut den Alltag bestimmen, während die Einheimischen das alles gleichmütig ertragen.
00:05:05: Und die scheinbar einzige Stadt Europas, in der es süßliches Weißbrot zu essen gibt.
00:05:11: Und das nur wenige Monate nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – zu einer Zeit, in der in Europa dutzende Millionen Menschen bitteren Hunger leiden.
00:05:22: Der Text, mit dem diese Podcastfolge begonnen hat, ist ein Auszug aus einem Zeitungsartikel.
00:05:28: Genauer aus einer Reportage, die Ende 1920 in mehreren englischsprachigen Zeitungen abgedruckt wird, unter anderem in der australischen Sydney Sun und der neuseeländischen Evening Post.
00:05:50: Es ist der Bericht eines Journalisten aus der Stadt Fiume, gelegen im nordöstlichsten Winkel des adriatischen Meers.
00:05:58: Heute heißt Fiume offiziell Rijeka und liegt in Kroatien, rund 50 Kilometer Luftlinie von der italienischen Grenze entfernt.
00:06:07: Von 1919 bis 1920 war diese Stadt der Schauplatz eines unübersetzbar italienischen Unterfangens.
00:06:16: Eine unfassbare Geschichte aus Freiheitsdrang und zugleich enormer Gewalt, aus fanatischem Nationalismus, Unterdrückung
00:06:24: und zugleich zügellosem Leben.
00:06:28: Eine Geschichte, die so verrückt wirkt, dass sich wohl niemand trauen würde, sie zu erfinden.
00:06:34: Diese Geschichte muss auch niemand erfinden, denn sie ist wahr.
00:06:42: Herzlich willkommen zu „Kurz gesagt: Italien“, dem Podcast, in dem ich Folge für Folge ein Stück Italien erkläre.
00:07:28: Auf den allerersten Blick ist Fiume ein bestens übersetzbares italienisches Wort.
00:07:35: Fiume bedeutet Fluss, es gibt aber auch ein unübersetzbares Fiume – die Stadt mit diesem Namen.
00:07:43: Sie liegt, wie gesagt, heute in Kroatien und trägt den kroatischen Namen Rijeka.
00:07:49: In Italien wird bis heute der italienische Name Fiume für diese Stadt gebraucht.
00:07:56: Fiume liegt im Nordwesten des heutigen Kroatiens an der Adriaküste, an den Ausläufern der Alpen, nur rund 70 Kilometer von Triest in Nordostitalien entfernt.
00:08:07: Fiume ist eine Hafenstadt. Vor fast 2.100 Jahren, im Jahr 60 vor Christus, gründen die alten Römer hier die Siedlung Tarsatica.
00:08:17: Um das Jahr 800 nach Christus erobern die Franken die Stadt.
00:08:20: Bis zum 13. Jahrhundert gewinnt sie wegen ihrer Lage und wirtschaftlichen Kraft an Bedeutung.
00:08:25: Eine Zeit lang rivalisiert die Stadt sogar mit dem aufstrebenden Venedig, das rund 170 Kilometer entfernt liegt, auf der anderen Seite der Adriaküste.
00:08:36: Die Stadt liegt an einem Fluss, der hier in die Adria mündet und der heute auf Kroatisch Rječina heißt – auf Italienisch Eneo oder Fiumara, auf Deutsch Flaum.
00:08:47: Deswegen wird die Stadt im Mittelalter in lateinischen Dokumenten aus Venedig und dem Vatikan als Flumen Sancti Viti bezeichnet, lateinisch für Fluss des Heiligen Veit,
00:08:58: des Schutzpatrons der Stadt, oder kurz und einfach Flumen.
00:09:06: Aus dem lateinischen Namen Flumen entwickeln sich die italienische Bezeichnung Fiume und die slawische Bezeichnung Rijeka.
00:09:14: Beide Wörter bedeuten schlicht und ergreifend Fluss.
00:09:18: Im 15. Jahrhundert gerät Fiume unter die Kontrolle der österreichischen Fürstenfamilie Habsburg. Danach bleibt sie bis ins Jahr 1918 fast ununterbrochen Teil des österreichischen Herrschaftsgebietes.
00:09:32: Die Stadt bekommt in diesen Jahrhunderten auch einen deutschen Namen – Sankt Veit am Flaum.
00:09:38: In Fiume leben bis ins 20. Jahrhundert Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen.
00:09:43: Die Muttersprache der meisten ist Italienisch oder Venezianisch, also die Regionalsprache aus der nordostitalienischen Lagunenstadt Venedig.
00:09:51: Eine bedeutende Minderheit wächst mit den slawischen Sprachen Kroatisch und Serbisch auf in dieser Stadt.
00:09:58: Als 1914 der Erste Weltkrieg in Europa ausbricht, gehört Fiume zu Österreich-Ungarn.
00:10:04: Genauer gesagt ist Fiume Teil der sogenannten ungarischen Reichshälfte mit der Hauptstadt Budapest.
00:10:09: Fiume hat sich aber zu dieser Zeit eine große Unabhängigkeit bewahrt.
00:10:15: Knapp die Hälfte der rund 50.000 Einwohner von Fiume ist damals, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, italienisch – etwas mehr als ein Viertel slawisch, also slowenisch, kroatisch oder serbisch.
00:10:28: Es lebt in der Stadt auch eine beachtliche Anzahl an deutschsprachigen und ungarischsprachigen Bewohnern.
00:10:35: Als im Jahr 1918 der Erste Weltkrieg zu Ende geht, wird die Stadt Fiume zu einem der Brennpunkte der vielen Konflikte zwischen Nationalitäten in Europa.
00:10:47: In dieser Zeit,
00:10:48: hier in Fiume prallen vor allem italienische und slawische Bewohner aufeinander.
00:10:53: Die Italiener wollen, dass ihr Fiume Teil des Königreichs Italien wird.
00:10:59: Die Kroaten und Serben wollen, dass ihr Rijeka Teil des neuen Staats Jugoslawien wird.
00:11:05: In diesem aufgeheizten Klima entsteht in Fiume der wohl schrägste Staat der Geschichte.
00:11:12: Ein von fanatisch stolzen Italienern gegründeter Staat, ein Staat, den vor allem ein Mann beherrscht – ein Mann, der Dichter ist und Kriegsheld, einer der ersten Italiener, die in einem Flugzeug fliegen, und ein Mann, der aus Italien ein Land starker und furchtloser Kämpfer machen
00:11:32: will.
00:11:37: La storia dietro la parola – die Geschichte hinter dem Wort.
00:11:42: Frühjahr 1915. Seit Monaten tobt in Europa der Weltkrieg.
00:11:49: Auf den Schlachtfeldern im deutschen Ostpreußen, in den Karpaten und in der französischen Champagne sterben hunderttausende Soldaten durch Granaten und Schrapnelle.
00:11:58: Deutsche, Franzosen, Briten, Russen und Österreicher.
00:12:03: Zeitgleich feuern in der Meerenge der Dardanellen britische und französische Kriegsschiffe auf osmanische Stellungen.
00:12:10: Italien lebt weiterhin im Frieden, es ist aber ein fieberhafter Frieden.
00:12:21: Eigentlich ist das Regno d'Italia, das von König Viktor Emanuel III. regierte Italien, seit über drei Jahrzehnten verbündet mit Deutschland und Österreich-Ungarn – mit den sogenannten Mittelmächten.
00:12:35: Triplice Alleanza heißt dieses Bündnis auf Italienisch, auf Deutsch Dreibund.
00:12:40: Deutschland und Österreich-Ungarn haben den Weltkrieg militärisch losgetreten.
00:12:44: Italien hat sich herausgehalten.
00:12:47: Der Dreibund verpflichtet Italien auch nur zur wohlwollenden Neutralität mit den beiden Verbündeten.
00:12:53: Aber wohlwollend blicken viele in Italien schon lange nicht mehr auf die beiden Bündnispartner.
00:13:02: Freilich,
00:13:03: viele in Italien bewundern Deutschland.
00:13:06: Das Deutsche Reich, das in wenigen Jahrzehnten zur größten Industrienation Europas und zu einer furchterregenden Militärmacht aufgestiegen ist.
00:13:14: Deutsche Unternehmer haben viele Niederlassungen in Italien eröffnet, vor allem im Nordwesten Italiens, der gerade eine erste Welle der Industrialisierung erlebt.
00:13:25: Liebig-Fleischbrühe, Kettwig-Gürtel, Odol-Mundwasser, Wollentuchstoffe.
00:13:31: Wer in den Zehnerjahren durch reichweitenstarke Zeitungen wie den Corriere della Sera blättert, stößt immer wieder auf Werbeanzeigen deutscher Firmen.
00:13:41: In größeren italienischen Städten kehren in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg deutsche Geschäfts- und Vergnügungsreisende in deutschen Bierkellern ein.
00:13:52: Den Einfluss Deutschlands auf das italienische Bürgertum in den Jahren und Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg hat Liedermacher Fabrizio De André in seinem Lied Ottocento dargestellt.
00:14:22: Mit diesem großen Deutschland, der Grande Germania, sind viele in Italien damals gerne verbündet.
00:14:30: Diese Grande Germania wirkt aber auch immer aggressiver, diese aufstrebende Großmacht, angeführt vom nationalistischen Kaiser Wilhelm II. mit der Pickelhaube – Wilhelm II., der im August 1914 in Berlin seinen Untertanen erklärt, warum Deutschland nun gegen Frankreich und Russland in den Krieg zieht.
00:15:13: Drei Tage nach Kriegsbeginn überfällt Deutschland das neutrale Belgien.
00:15:18: In der italienischen Öffentlichkeit wachsen die Abneigung und sogar der Hass gegen dieses
00:15:25: Deutschland.
00:15:27: Und die Österreicher?
00:15:29: Die Österreicher, das sind in den Augen vieler Menschen in Italien die Unterdrücker.
00:15:34: Die Nachfahren der Soldaten, die unter Feldmarschall Josef Radetzky den Volksaufstand von Mailand niedergeschossen haben.
00:15:41: Das verhasste österreichische Kaiserreich, gegen das die Italiener in drei Unabhängigkeitskriegen ihre nationale Einheit erkämpft haben.
00:15:49: Die Österreicher, denen die Italiener die norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien abgetrotzt haben.
00:15:55: Österreich-Ungarn – das ist für patriotische Italiener damals das Reich des Bösen,
00:16:00: das immer noch ihre italienischsprachigen Brüder im Trentino und in Teilen des Friauls unterjocht.
00:16:05: Die vielen italienischsprachigen Menschen in der Hafenstadt Triest und Dalmatien und ja, in der Stadt Fiume. Gegenden sind das, die schon die Nationaldichter Dante Alighieri und Francesco Petrarca als italienisch besungen haben.
00:16:22: So sehen das viele italienische Patrioten damals im Frühjahr 1915.
00:16:28: Österreich-Ungarn kontrolliert diese Gebiete.
00:16:31: Diese Gebiete müssten aber zu Italien gehören, so sehen das viele italienische Patrioten.
00:16:36: Sie sagen, Italien müsste den Weltkrieg als Chance sehen, an der Seite Frankreichs und Großbritanniens ins Feld zu ziehen, gegen die Deutschen – vor allem gegen die Österreicher.
00:16:47: Italien sollte einen vierten Unabhängigkeitskrieg führen und endlich die ur-italienischen Gebiete befreien, die die Österreicher noch besetzt halten.
00:16:54: Italien muss in den Krieg eintreten gegen den bisherigen Bündnispartner Österreich-Ungarn – so sehen das viele Italiener im Frühjahr 1915.
00:17:04: Von wegen wohlwollend neutral.
00:17:08: Viele Italiener sehen das so... aber längst nicht alle.
00:17:13: Will Italien in den Krieg eintreten, muss das eigentlich das gewählte Parlament beschließen.
00:17:19: Die Mehrheit im italienischen Parlament will aber im Frühjahr 1915 nicht in den Krieg eintreten.
00:17:25: Die Mehrheit in der Abgeordnetenkammer in Rom, kontrolliert vom langjährigen früheren Ministerpräsidenten Giovanni Giolitti, will sich weiterhin heraushalten aus dem Weltkrieg.
00:17:35: Giolitti weiß, dass Italien militärisch den anderen europäischen Mächten unterlegen ist.
00:17:40: Er hält die Kriegsgelüste vieler seiner Landsleute für Träumereien – für naiv und gefährlich.
00:17:47: Giolitti und die ihm nahestehenden Abgeordneten argumentieren außerdem, Italien könne mit Österreich-Ungarn verhandeln und allein durch die Drohung, in den Krieg einzuziehen, Gebiete wie Trentino, Triest und Dalmatien erhalten.
00:18:02: Die Regierung in Rom sieht das anders als die Abgeordneten.
00:18:06: Sie schafft inzwischen Fakten.
00:18:08: Am 26. April unterzeichnen Regierungschef Antonio Salandra und Außenminister Sidney Sonnino einen Geheimvertrag mit Großbritannien, Frankreich und Russland – den Londoner Vertrag.
00:18:23: Neben Regierungschef Salandra, Außenminister Sonnino und dem König Viktor Emanuel III. weiß niemand von diesem Vertrag. Der Rest der Regierung nicht, auch das Parlament in Rom nicht.
00:18:37: Italien sichert den Briten, Franzosen und Russen im Londoner Vertrag zu, in den großen Krieg einzutreten – an ihrer Seite und gegen die bisherigen Bündnispartner Deutschland oder Österreich-Ungarn.
00:18:52: Frankreich, Großbritannien und Russland versprechen den Italienern enorme Gebietsgewinne, falls der Krieg gemeinsam gewonnen wird. Nicht nur das Trentino und den Rest des Friauls, sondern auch das seit Jahrhunderten fast nur von deutschsprachigen Menschen bewohnte Südtirol.
00:19:07: Auch die Halbinsel Istrien soll italienisch werden, ein großer Teil Dalmatiens und der davorliegenden Inseln.
00:19:13: Über Albanien soll Italien die Kontrolle bekommen und über die griechischen Dodekanes-Inseln unweit der türkischen Küste, darunter Rhodos und Kos.
00:19:24: Nicht versprochen wird Italien im Vertrag von London aber die Stadt Fiume. Fiume soll an Kroatien, Serbien oder Ungarn gehen.
00:19:34: So steht es in dem
00:19:35: Abkommen.
00:19:37: Regierungschef Salandra und Außenminister Sonnino sagen zu, dass Italien mobilmachen und Millionen von Soldaten auf das Schlachtfeld schicken wird – und das innerhalb von nur einem Monat.
00:19:51: Am 26.
00:19:52: April 1915 wird der Vertrag unterzeichnet.
00:19:56: Bis zum 26. Mai muss danach Italien in den Krieg eintreten, um den Vertrag zu erfüllen.
00:20:04: Aber von diesem Vertrag weiß wie gesagt niemand außer König Viktor Emanuel
00:20:09: III.,
00:20:09: Regierungschef Salandra und Außenminister Sonnino.
00:20:13: Am 3. Mai kündigt die italienische Regierung das Dreierbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn offiziell auf.
00:20:21: Inzwischen wird die Stimmung in Italien immer hitziger.
00:20:27: Die Menschen, die in den Krieg eintreten wollen, treten nach und nach aggressiver auf.
00:20:33: Vor allem ein Mann stachelt diese Menschen an:
00:20:37: Gabriele D'Annunzio.
00:20:40: Gabriele D'Annunzio wird im März 1915 52 Jahre alt.
00:20:45: Er ist damals schon seit vielen Jahren der wohl bekannteste lebende Dichter Italiens.
00:20:51: Schon mit seiner äußeren Erscheinung ist D'Annunzio eine Marke: glatzköpfig mit einem nach oben gezwirbelten Schnauzbart und einem spitzen Kinnbart.
00:20:59: Keine klassische Schönheit, aber immer fein gekleidet – ein Lebemann mit einem sagenhaften Ruf als Liebhaber.
00:21:08: Ein Jahrzehnt lang hat Gabriele D'Annunzio eine Liebesbeziehung mit der prominentesten Theaterschauspielerin der Zeit, Eleonora Duse.
00:21:16: Zeitungen stürzen sich auf die Geschichte, D'Annunzio selbst schlachtet sie skrupellos aus.
00:21:22: Er veröffentlicht einen Roman, Il Fuoco, der zum Skandalroman der Jahrhundertwende wird in Italien.
00:21:28: In diesem Roman veröffentlicht D'Annunzio intime Details zur Beziehung zu Duse – er gibt diese Details preis, er stellt Eleonora Duse – die große Diva ihrer Zeit – bloß.
00:21:39: D'Annunzio verdient viel Geld als Schriftsteller, auch als Werbetexter, aber er gibt noch mehr Geld aus.
00:21:47: D'Annunzio zieht in die Villa La Capponcina in der mittelitalienischen Stadt Florenz, die er mit alten Möbeln, teuren Textilien und Statuen füllt.
00:21:56: D'Annunzio hält sich dutzende Windhunde, er unterhält einen eigenen Pferdestall.
00:22:01: D'Annunzio versinkt in Schulden – und er flieht schließlich 1910 vor seinen Gläubigern nach Frankreich.
00:22:09: Die Villa La Capponcina wird gepfändet.
00:22:13: D'Annunzio will aber nicht nur ein schönes Leben leben.
00:22:16: Er will Italien verändern.
00:22:18: D'Annunzio sieht sich selbst als Vate, als Seher, als Nationaldichter Italiens.
00:22:26: D'Annunzio ist glühender Nationalist – er ist überzeugt, dass Italien zur europäischen Großmacht aufsteigen muss – auf Augenhöhe mit Frankreich, Großbritannien und Deutschland.
00:22:37: Und D'Annunzio ist ein Liebhaber moderner Technologie.
00:22:42: Als einer der ersten Italiener überhaupt steigt er schon 1909 in eines dieser neuartigen Flugzeuge – immer wieder lässt er sich danach von Piloten fliegen.
00:22:52: 1911 beginnt Italien einen Kolonialkrieg gegen das Osmanische Reich, um das nordafrikanische Libyen zu erobern, das auf der gegenüberliegenden Seite des Mittelmeers südlich von Italien liegt.
00:23:05: D'Annunzio schreibt Heldengedichte über die italienischen Soldaten, die in Libyen und im Meer vor Libyen kämpfen.
00:23:12: Im Jahr 1912 veröffentlicht die Zeitung Corriere della Sera diese Gedichte unter dem Titel Le Canzoni delle gesta d'oltremare, frei übersetzt Lieder der Heldentaten von Übersee.
00:23:24: Im Frühjahr 1915, als der Weltkrieg in weiten Teilen Europas tobt, aber Italien sich noch heraushält, lebt D'Annunzio also von seinen Gläubigern verfolgt in Frankreich.
00:23:35: Er beschließt aber, zurückzukehren nach Italien.
00:23:38: Er sieht es als seine Mission, sein Heimatland in den Krieg zu treiben.
00:23:43: Anfang Mai reist D'Annunzio im Zug zurück nach Italien, und es begleiten ihn ein Sohn und ein Enkel von Giuseppe Garibaldi, des Helden des Kampfes um die italienische Einheit.
00:23:56: D'Annunzio soll am 5. Mai in der norditalienischen Hafenstadt Genua sprechen.
00:24:01: Im Viertel Quarto di Genova soll er eine Rede zur Einweihung eines Denkmals halten, für die tausend Kämpfer, mit denen Garibaldi 55 Jahre zuvor in See gestochen ist, um das Königreich Sizilien und Neapel zu einem Teil Italiens zu machen.
00:24:16: Geschätzte 20.000 Menschen kommen nach Quarto, um D'Annunzio sprechen zu hören.
00:24:21: D'Annunzio spricht.
00:24:24: Seine in feierlichem, poetischen Italienisch gehaltene Rede gipfelt in diesen Worten.
00:24:32: O beati quelli che più hanno, perché più potranno dare, più potranno ardere.
00:24:46: Beati quelli che hanno vent'anni, una mente casta, un corpo temprato, una madre animosa.
00:24:57: Beati quelli che, aspettando e confidando, non dissiparono la loro forza ma la custodirono nella disciplina del guerriero.
00:25:08: Beati quelli che disdegnarono gli amori sterili per esser vergini a questo primo e ultimo amore.
00:25:13: Beati quelli che, avendo nel petto un odio radicato, se lo strapperanno con le loro proprie mani; e poi offeriranno la loro offerta.
00:25:17: Beati quelli che, avendo ieri gridato contro l'evento, accetteranno in silenzio l'alta necessità e non più vorranno essere gli ultimi ma i primi.
00:25:20: Beati i giovani che sono affamati e assetati di gloria, perché saranno saziati.
00:25:25: Beati i misericordiosi, perché avranno da tergere un sangue splendente, da bendare un raggiante dolore.
00:25:29: Beati i puri di cuore, beati i ritornanti con le vittorie, perché vedranno il viso novello di Roma, la fronte ricoronata di Dante, la bellezza trionfale d'Italia.
00:25:55: Selig sind jene, die am meisten besitzen.
00:25:58: Denn je mehr sie geben können, desto mehr können sie brennen.
00:26:01: Selig sind jene, die zwanzig Jahre jung sind, die einen keuschen Geist haben – einen gestählten Körper und eine mutige Mutter.
00:26:08: Selig sind jene, die in Erwartung und Zuversicht ihre Kraft nicht verschwendeten, sondern sie in der Disziplin des Kriegers bewahrten.
00:26:15: Selig sind jene, die die unfruchtbaren Lieben verschmähten, um für diese erste und letzte Liebe jungfräulich zu bleiben.
00:26:22: Selig sind jene, die, da sie einen tief verwurzelten Hass in ihrer Brust tragen, ihn mit ihren eigenen Händen herausreißen und dann ihr Opfer darbringen werden.
00:26:31: Selig sind jene, die, nachdem sie gestern gegen das Ereignis geschrien haben, die hohe Notwendigkeit schweigend annehmen und nicht mehr die Letzten, sondern die Ersten sein wollen.
00:26:42: Selig sind die Jungen, die nach Ruhm hungern und dürsten.
00:26:45: Denn sie werden gesättigt werden.
00:26:47: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden strahlendes Blut zu vergießen haben oder einen gleißenden Schmerz zu lindern.
00:26:55: Selig sind die, die reinen Herzens sind.
00:26:57: Selig sind die, die mit Siegen zurückkehren, denn sie werden das neue Antlitz Roms sehen – die neu gekrönte Stirn Dantes, die triumphale Schönheit
00:27:07: Italiens.
00:27:10: So spricht Gabriele D'Annunzio, der selbsternannte Nationaldichter Italiens, am 5. Mai 1915 in Quarto di Genova vor rund 20.000 Zuhörern.
00:27:21: Mit diesen religiös aufgeladenen Worten treibt D'Annunzio seine Zuhörer dazu an, Italien in den Krieg zu führen und alle Männer, die dazu in der Lage sind, selbst in die Schlacht zu ziehen.
00:27:34: Der Auszug aus der italienischen Originalrede D'Annunzios stammt aus einer Folge der Radiosendung Wikiradio, vorgelesen hat ihn darin Claudio de Pasqualis.
00:27:43: Wie alle Quellen dieser Podcastepisode ist sie in den Shownotes verlinkt.
00:27:49: In seiner Rede in Quarto ruft D'Annunzio auch zur Gewalt auf. Zur Gewalt gegen Giovanni Giolitti und andere Politiker, die sich gegen den Krieg stellen. Die sich dem neuen jungen Italien entgegenstellen wollen.
00:28:03: Die Zuhörer und Zuschauer in Quarto bejubeln D'Annunzio und seinen Auftritt begeistert.
00:28:10: Die Rede erreicht aber noch viel mehr Menschen als die 20.000,
00:28:13: die vor Ort sind. Erst der Corriere della Sera und dann weitere italienische Zeitungen drucken den Redetext in voller Länge ab.
00:28:24: In den Tagen nach D'Annunzios Rede in Quarto di Genova kippt die Stimmung zugunsten der Kriegsbefürworter, der Interventisti.
00:28:32: In der Hauptstadt Rom und in weiteren italienischen Großstädten greifen im Mai 1915 Vertreter der Interventisti Kriegsgegner an.
00:28:41: Mitte Mai versuchen sie sogar, das Abgeordnetenhaus zu stürmen.
00:28:45: Der einflussreiche Abgeordnete und Kriegsgegner Giolitti wird in Rom fast gelyncht – und flieht in die norditalienische Region Piemont.
00:28:55: Am 20. Mai
00:28:55: dann bittet Regierungschef Salandra das Parlament in Rom darum, der italienischen Regierung die Vollmacht zur Kriegserklärung zu übertragen.
00:29:06: Die Mehrheit ist überwältigend.
00:29:08: 407 zu 74 Abgeordnete stimmen dafür.
00:29:13: Am 23. Mai 1915 erklärt Italien Österreich-Ungarn den Krieg.
00:29:24: Gabriele D'Annunzio, der selbsternannte Nationaldichter, meldet sich im Alter von 52 Jahren für den Frontdienst.
00:29:30: Mehrfach steigt er in Flugzeuge, wirft mal Bomben ab, mal Propagandaflugblätter.
00:29:35: Seinen waghalsigsten Flug unternimmt D'Annunzio im August 1918.
00:29:40: Er startet im norditalienischen Padua.
00:29:42: Die Maschine fliegt trotz österreichischen Beschusses über die Frontlinien hinweg, hunderte Kilometer über österreichisches Gebiet bis nach Wien.
00:29:51: Über der Hauptstadt wirft D'Annunzio hunderttausende Flugblätter ab, mit der italienischen Flagge im Hintergrund und auf den Flugblättern abgedruckt ein zweisprachiger Text – auf Italienisch und Deutsch.
00:30:03: Darauf steht unter anderem:
00:30:07: Zitat Anfang: „Wiener! Lernt die Italiener kennen!
00:30:11: Wenn wir wollten, wir könnten ganze Tonnen von Bomben auf eure Stadt hinunterwerfen.
00:30:15: Wiener, wollt ihr den Krieg fortführen?
00:30:18: Tut es, wenn ihr Selbstmord begehen wollt!“
00:30:24: Knapp dreieinhalb Jahre dauert der italienische Kriegseinsatz.
00:30:28: Wie der Weltkrieg verläuft, wie er Italien tief und bis heute prägt – das alles ist es wert, in einer eigenen Folge von „Kurz gesagt: Italien“ erzählt zu werden.
00:30:38: Wichtig für die unübersetzbar italienische Geschichte von Fiume sind drei Tatsachen.
00:30:43: Die erste Tatsache: Italien gewinnt den Weltkrieg.
00:30:47: Entscheidend sind die Schlachten gegen die Österreicher im Nordosten Italiens, am Fluss Piave im Sommer 1918
00:30:53: und in Vittorio Veneto im Herbst.
00:30:57: Italien gewinnt die Grande Guerra, den großen Krieg gegen die sogenannten Mittelmächte, gegen Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich. Am 4. November 1918 verfasst General Armando Diaz, Generalstabschef des italienischen Heeres und somit damals mächtigster Soldat Italiens, den Bollettino della Vittoria.
00:31:20: Die Siegeserklärung.
00:31:58: Binnen Stunden lesen und hören Millionen von Italienern diese Worte.
00:32:05: Sie werden in Zeitungen abgedruckt, an Rathäuser im ganzen Land angeschlagen und laut vorgelesen.
00:32:11: So groß, so bedeutend wirkt dieser Sieg Italiens, dass in den Monaten und Jahren nach dem Krieg das Bollettino della Vittoria in die Mauern vieler Rathäuser in Italien gemeißelt wird.
00:32:23: Noch heute ist es etwa am Palazzo Vecchio in Florenz und an den Rathäusern von Bologna und Brescia zu finden.
00:32:29: Jahre später hat General Diaz diese Worte auch für eine Tonaufnahme eingesprochen, für die Aufnahme, die hier im Hintergrund zu hören ist.
00:32:41: Italien hat den Krieg also gewonnen – das ist die erste Tatsache.
00:32:46: Die zweite Tatsache nach Kriegsende:
00:32:48: Der Sieg ist ganz anders verlaufen, als sich die Regierung um Salandra, Sonnino und König Viktor Emanuel
00:32:54: III.
00:32:55: das 1915 hätte vorstellen können.
00:32:58: Russland ist als Verbündeter Italiens ausgeschieden.
00:33:03: 1917 haben im Land die Kommunisten um Wladimir Iljitsch Lenin den Zaren gestürzt und das russische Kaiserreich nach fast zwei Jahrhunderten beendet.
00:33:12: Russland stellt die Kampfhandlungen ein, verhandelt einen sogenannten Separatfrieden.
00:33:17: Das wird zu einem großen Problem für Italien.
00:33:20: Die russischen Kommunisten veröffentlichen den Originaltext des Londoner Geheimvertrags in der Zeitung Iswestija und legen damit offen, welche Gebiete die Verbündeten Italien versprochen hatten.
00:33:34: Öffentlich hat die italienische Regierung bis dahin immer nur über die Befreiung der unterdrückten Brüder in Trento und Trieste gesprochen – aber nicht von einer Art Kolonialherrschaft auf weiten Teilen des Balkans, die ja Teil des Londoner Vertrags gewesen wäre.
00:33:48: Der Imageschaden für Italien nach dieser Veröffentlichung ist gewaltig.
00:33:53: Ab 1917 hat außerdem an der Seite von Briten und Franzosen nicht mehr Russland gekämpft, sondern die Vereinigten Staaten von Amerika.
00:34:03: Die USA haben den Geheimvertrag von London mit Italien gar nicht unterschrieben – sie fühlen sich nicht daran gebunden.
00:34:10: Und US-Präsident Woodrow Wilson wettert sogar öffentlich gegen jede Art von Geheimverträgen und fordert, dass alle Völker Europas selbst über ihr Schicksal bestimmen sollen.
00:34:24: Italien ist nach dem Weltkrieg siegreich, aber es ist schwer versehrt.
00:34:29: Rund 5,6 Millionen Soldaten hat Italien im Weltkrieg an die Front geschickt.
00:34:34: Etwa ein Zehntel davon ist im Krieg gefallen, auf den Schlachtfeldern und Schützengräben erschossen, von Bomben und Granaten zerfetzt, an Giftgas erstickt.
00:34:46: Mehr als 400.000 sind außerdem an der Spanischen Grippe gestorben, die damals durch Europa wütet.
00:34:52: Millionen von Veteranen kehren in Italien von den Schlachtfeldern oder aus deutschen und österreichischen Gefangenenlagern nach Hause.
00:34:59: Viele von ihnen gebrochen am Körper, in der Seele oder in beidem.
00:35:06: Italien ist wirtschaftlich am Boden.
00:35:08: Landstriche Nordostitaliens sind von den Kämpfen gegen Österreicher und Deutsche zerstört – im Trentino, auf der Hochebene von Asiago, im Friaul und in Venetien.
00:35:18: Nach Kriegsende herrscht in vielen Landesteilen bitterer Hunger.
00:35:25: In den letzten Wochen des Jahres 1918 und im Jahr 1919 verhandeln Europas Sieger und Besiegte des Weltkriegs darüber, wie das neue Europa aussehen soll.
00:35:36: Welche Reiche zerfallen.
00:35:37: Welche Staaten neu entstehen.
00:35:39: Welche Staaten Land gewinnen.
00:35:41: Und welche Land abtreten müssen.
00:35:46: Italien, militärisch siegreich, aber schwer versehrt.
00:35:50: Italien, dessen internationales Image angeschlagen ist, bekommt in den Friedensverhandlungen nur einen Teil dessen, was im Geheimvertrag von London gestanden hat.
00:36:01: Trentino, Südtirol, der bisher österreichische Teil des Friaul und die Halbinsel Istrien gehen tatsächlich an
00:36:07: Italien. Der Großteil von Dalmatien und die anderen Gebiete auf dem Balkan nicht. Die Dodekanes-Inseln auch nicht.
00:36:16: Und Fiume, die Stadt Fiume, die ja gar nicht im Londoner Vertrag gestanden hat – erst recht nicht.
00:36:23: Viele Menschen in Italien sind wütend darüber.
00:36:26: Im April 1919 verlässt die italienische Delegation sogar die Friedensverhandlungen in der französischen Hauptstadt Paris und schädigt dadurch die eigene Position noch weiter.
00:36:37: Die Nationalisten in Italien sind empört.
00:36:40: Über die anderen Siegermächte, die Italien die verlangten Gebiete nicht geben wollen – über die eigene Regierung, die zu schwach ist, die Forderungen Italiens durchzusetzen.
00:36:49: In Rom und in mehreren Städten gehen immer wieder Menschen auf die Straße.
00:36:54: Fiume italiana ist eine ihrer Parolen.
00:36:58: Fiume zu Italien.
00:37:00: Diese von tausenden italienischsprachigen Menschen bewohnte Stadt im Nordosten der Adria soll zum Land
00:37:05: gehören.
00:37:07: Das ist das Italien des Jahres 1919.
00:37:12: Siegreich, schwer versehrt, überhitzt.
00:37:16: Und in diesem Italien beginnt das Buch, das der Gast dieser Folge von „Kurz gesagt: Italien“ geschrieben hat.
00:37:25: Viele der Hörerinnen und Hörer von „Kurz gesagt: Italien“ kommen aus Österreich.
00:37:30: Und wer aus Österreich kommt oder sich Österreich verbunden fühlt, kennt den Gast dieser Folge mit hoher Wahrscheinlichkeit.
00:37:37: Dirk Stermann, geboren im westdeutschen Duisburg, ist für sein Studium nach Österreich übersiedelt.
00:37:43: Er arbeitet seit Ende der 1980er Jahre in Österreich als Radio- und Fernsehmoderator, längst aber auch als Schauspieler und Kabarettist.
00:37:52: Dirk Stermann hat seit Jahrzehnten außerdem mehrere Romane veröffentlicht.
00:37:58: Im Jahr 2022 hat er einen Roman über den unübersetzbar italienischen Staat in der Adriastadt Fiume geschrieben.
00:38:08: Die Republik der Irren heißt dieses Buch. Erschienen ist es im Rowohlt Verlag.
00:38:13: Der Roman erzählt vom jungen Italiener Cherubino, der nach dem Ersten Weltkrieg aufbricht nach Fiume.
00:38:23: An das Ende seines Romans hat Dirk Stermann ein Nachwort gepackt.
00:38:29: Darin schreibt er, Zitat Anfang: „Was in diesem Roman am unglaubwürdigsten klingt, entspricht in der Regel den historischen Tatsachen.“
00:38:42: Ich habe mit Dirk Stermann gesprochen, über Fiume und dieses unübersetzbare italienische Kapitel der Weltgeschichte.
00:38:54: Sie tauchen in Ihrem Roman „Die Republik der Irren“ in die Monate nach dem Ersten Weltkrieg in Italien ein.
00:39:02: In Ihren Worten, was ist das für ein Italien?
00:39:05: Was ist es für eine Zeit?
00:39:08: Naja, es ist wie überall in Europa natürlich eine Umbruchszeit.
00:39:12: Es war dieser wahnsinnig technische Krieg gerade vorbei, wo alle, die meisten geschockt, einige aber fasziniert waren von den technischen Möglichkeiten, die dieser Krieg bot.
00:39:23: Es gab ganz andere Geräuschkulissen als vorher.
00:39:27: Und es gab diese Neuordnung Europas, und es gab großen Nationalismus, weil – da ich ja in Österreich lebe, zum Beispiel, eben das Habsburger Reich zerfallen ist in viele Nationen.
00:39:38: Und Italiener waren eben auch nationalistisch.
00:39:40: Zumindest einige, während die anderen ja noch immer sehr regionalistisch waren.
00:39:46: Sprachlich, regionalistisch waren, essenstechnisch. Und dieses Italien, also das Italien ja gar nicht für viele Leute so bedeutsam war.
00:39:55: Für einige aber schon, in der Hoffnung, dieses Italien in eine Moderne zu führen.
00:40:01: Und das waren auch die Futuristen, und es waren Leute wie D'Annunzio, die das wichtig fanden.
00:40:06: Zu einem Zeitpunkt, wo Italien überwiegend noch Analphabeten beherbergte.
00:40:13: Es gab halt diese paar aufgeklärten Intellektuellen, die sich eher orientierten an Frankreich und England, und wollten eben auch, dass Esel abgelöst werden durch irgendwelche Maschinen, die Dinge ziehen.
00:40:25: Und das ist diese Zeit, in der wir uns befinden.
00:40:28: Es ist die Zeit... Den Begriff erwähnen Sie ja auch in Ihrem Buch relativ früh, der Vittoria Mutilata, also des verstümmelten Siegs für Italien. Dass es militärisch den Ersten Weltkrieg gewonnen hat gegen die Mittelmächte,
00:40:40: aber die verbreitete Stimmung in der Bevölkerung, auch aufgrund dessen, was Sie beschrieben haben.
00:40:46: Die verbreitete Armut, das Elend, das Sie auch in Ihrem Buch beschreiben, die vielen Veteranen, die sozusagen kaum mehr lebensfähig sind.
00:40:55: Das Empfinden sehr stark ist eben dieses verstümmelten Siegs, dieses kollektive Trauma.
00:40:59: Was macht es mit Italien in dieser Zeit?
00:41:02: Es so kurz auf den verstümmelten Sieg.
00:41:05: Es war ja so, dass sich die Italiener erst auf die Siegerseite eigentlich geschlagen haben, in der Hoffnung, dass sie dadurch möglichst viel bekommen.
00:41:12: Und eine der Ideen war, dass die gesamte Adria zum Beispiel eigentlich das italienische Meer ist, was natürlich auch ein bisschen sehr einseitig gesehen ist, weil auf der anderen Seite die Leute ja auch fanden, dass es ihr Meer ist.
00:41:26: Aber...
00:41:28: Sie sprechen da von diesem Vertrag von London, mit dem Italien in den letzten Jahren, das ja vorher in einem Militärverbund mit Deutschland und Österreich-Ungarn war,
00:41:37: die Seiten wechselt und in den Krieg eintritt gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn.
00:41:43: Und sich dann, wie Sie sagen, eben ausbedingt, dass es Ansprüche auf diese Gebiete hat, aber es nicht so festgesetzt ist, wie sich das die Italiener wünschen.
00:41:53: Und nach dem Ersten Weltkrieg taucht man in der Realität auf, wo die anderen Siegermächte davon nicht mehr so viel wissen wollen.
00:42:00: Genau.
00:42:01: Also Italien hatte auch Maximalforderungen natürlich und hat sich dadurch sehr schlecht behandelt gefühlt. Dass sie eben nur so was wie Südtirol bekommen, weil die Idee war zum Beispiel unter anderem eben auch Fiume zu bekommen, das heutige Rijeka.
00:42:15: Das so ungefähr fifty-fifty bewohnt war, so halb, und die Hälfte waren Kroaten, die andere Hälfte waren Italiener.
00:42:23: Und sie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte es den Habsburgern, die dort Ungarn eingesetzt haben, um das zu regieren, was übrigens auf Deutsch... der Name auf Deutsch ist der absurdeste.
00:42:35: Das heißt nicht mehr auf Deutsch, das heißt der Ort Sankt Veit am Flaum, was ja wirklich sehr hässlich ist.
00:42:41: Aber da sieht man mal, wie unfassbar europäisch das Ganze ist.
00:42:45: Also Ungarn, Österreicher, Italiener, Kroaten. Ja, und da hat der Völkerbund beschlossen: Nein, das bekommt Italien nicht, sondern das ist erst einmal eine Freihandelszone und wird im weiteren Verlauf den Slawen zugesprochen werden.
00:42:57: Das fanden die Italiener natürlich nicht so toll.
00:43:00: In den Monaten nach Kriegsende setzt sich Gabriele D'Annunzio in Italien an die Spitze der Bewegung.
00:43:07: Schon wieder.
00:43:08: Am 6. Mai 1919, vier Jahre und einen Tag nach seiner Brandrede für den Krieg in Quarto di Genova, tritt er in der Hauptstadt Rom auf – inzwischen ist Gabriele D'Annunzio ein hochdekorierter Kriegsheld.
00:43:23: Die italienische Regierung ist in diesen Tagen wieder nach Paris gereist, um über die neue Friedensordnung zu verhandeln.
00:43:29: Über Dalmatien, über die restliche östliche Adriaküste und natürlich über Fiume.
00:43:36: D'Annunzio spricht in Rom auf dem Kapitolsplatz, dem Campidoglio, auf dem das Rathaus von Rom steht.
00:43:44: D'Annunzio lässt eine Flagge ausrollen – auf ihr ist ein getrockneter Blutfleck zu sehen.
00:43:49: Es ist das Blut eines mit ihm befreundeten Offiziers, der im Kampf gegen die Österreicher gestorben ist.
00:43:57: D'Annunzio sagt – Zitat Anfang: „Wir warten schweigend, aber aufrecht.
00:44:06: Rom wird still bleiben, wie in der Nacht der Kriegserklärung im Mai.
00:44:11: Während wir warten, gilt das Gebot, sich erinnern und misstrauen.
00:44:15: Allen misstrauen, auf uns selbst vertrauen, aber vor allem sich erinnern, sich erinnern.
00:44:22: Damit das Warten ein Gelübde ist, die Andacht wachsam und der Eid treu, will ich meine Flagge mit einem Trauerflor versehen, bis Fiume uns gehört, bis Dalmatien uns
00:44:34: gehört.“
00:44:39: D'Annunzio und seine Gefolgsleute warten vergeblich.
00:44:44: Die italienische Delegation in Paris macht keine greifbaren Fortschritte dabei, Fiume und die östliche Adriaküste für Italien zu gewinnen.
00:44:52: Im September 1919 dann macht der inzwischen 56-jährige Nationaldichter Ernst.
00:44:58: Er reist nach Ronchi im Nordosten Italiens, gut 30 Kilometer von Triest entfernt.
00:45:05: Dort warten italienische Soldaten auf ihn – die meisten von ihnen gehören zu den Arditi, Elite-Sturmtruppen der Armee, deren Name übersetzt „die Kühnen“ bedeutet.
00:45:17: Diese italienischen Soldaten haben gemeutert.
00:45:19: Sie haben sich den Befehlen ihrer Vorgesetzten widersetzt.
00:45:22: Sie sind bereit wieder zu kämpfen, um für Italien das zu holen, was dem Land aus ihrer Sicht zusteht.
00:45:30: Vom Frieden ernüchtert und enttäuscht, suchen diese auf den Nahkampf spezialisierten Veteranen einen charismatischen Anführer, der sich der in Paris verhandelten Friedensordnung widersetzt.
00:45:41: Diese Kämpfer, diese Freischärler geben sich selbst den Namen Legionäre, in Anlehnung an das alte Rom, an dessen Größe sie für Italien anknüpfen wollen.
00:45:52: Gabriele D'Annunzio ist der Anführer, auf den die Legionäre gewartet haben.
00:45:58: Geistige Munition für ihre Mission geben D'Annunzio und seinen Legionären unter anderem auch die Futuristen. Eine Künstlerbewegung, die alles Alte hinter sich lassen, Italien radikal modernisieren und zu einer neuen, jungen, schlagkräftigen Nation machen will.
00:46:14: Der Begründer der Futuristen ist Tomaso Marinetti, Schriftsteller und Künstler.
00:46:20: 1909 hatte er in der französischen Zeitung Le Figaro das Manifest des Futurismus veröffentlicht – mit Sätzen wie diesen:
00:46:32: „Bis heute hat die Literatur die gedankenschwere Unbeweglichkeit, die Ekstase und den Schlaf gepriesen.
00:46:39: Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung,
00:46:42: die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto Mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag.
00:46:48: Wir wollen den Krieg verherrlichen – diese einzige Hygiene der Welt –, den Militarismus, den Patriotismus. Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören.
00:47:05: Und gegen den Moralismus, den Feminismus und gegen jede Feigheit kämpfen, die auf Zweckmäßigkeit und Eigennutz
00:47:12: beruht.“
00:47:14: Zitat Ende. Am 12. September 1919 marschieren die Legionäre unter Gabriele D'Annunzios Kommando von Ronchi im Nordosten Italiens aus los.
00:47:28: Sie marschieren in Fiume ein, ohne auch nur einen Schuss abfeuern zu müssen.
00:47:34: Die italienischsprachige Mehrheit in der Stadt jubelt.
00:47:36: Für die slowenische und die kroatische Bevölkerung beginnt eine brutale Besatzungszeit.
00:47:46: Welche Menschen das sind, die im September 1919 und danach sich auf den Weg machen nach Fiume?
00:47:54: Darüber habe ich mit Autor Dirk Stermann gesprochen.
00:47:59: Was in Ihrem Buch auch auftaucht, ist ja diese bemerkenswerte Tatsache, dass zum einen intellektuelle Bewegung dahinter natürlich von sehr wohlhabenden und angesehenen Menschen kommt wie Gabriele D'Annunzio oder Tomaso Marinetti.
00:48:14: Also, die auch wirklich Teil der wohlhabenden Elite in Italien sind.
00:48:18: Aber auf der anderen Seite eben so Menschen mitlaufen wie der Protagonist des Romans, wie der Cherubino.
00:48:24: Was sind das für Menschen, die im September 1919 da auf Fiume marschieren?
00:48:28: Naja, D'Annunzio als leuchtende Führungsfigur, der damals tatsächlich der Literaturfürst des Landes war.
00:48:35: Der Vate... Die anderen waren halt diese Arditi, die eigentlich eben so Spezialeinheiten der italienischen Armee waren, so die besonders furchtlosen, die wahnsinnig gewalttätig auch waren. Also, von denen die Gegner, glaube ich, dann immer Angst hatten, die mit dem Messer im Mund losgerannt sind und Leuten die Kehle durchgeschnitten haben. Also, so eine Art Elitetruppe. Die waren die militärische Gruppierung, und alle anderen waren Freaks in Wahrheit.
00:49:02: Es war so ein zusammengewürfelter Haufen von Künstlern, Anarchisten.
00:49:08: Dazu kamen dann auch noch Rauschgiftsüchtige.
00:49:11: Tatsächlich haben sie dann in Fiume eine Art Hippie-Republik gehabt.
00:49:15: Eine Hippie-Republik, die militärisch bewacht wurde von extrem radikal brutalen Soldaten.
00:49:22: Und das machte eben diese merkwürdige... Das scheint mir auch noch immer tatsächlich einzigartig in der Geschichte zu sein, eine derartige Republik.
00:49:29: Sie haben Gabriele D'Annunzio ja auch schon natürlich erwähnt, und im Buch spielt er auch eine große Rolle, kommt immer wieder vor.
00:49:35: Wie würden Sie diesen unglaublichen Menschen für jemanden in Worte fassen, der noch nie von ihm gehört hat?
00:49:41: Er war ein kleiner schmächtiger Mann mit einem Glasauge und einer Glatze.
00:49:44: Die Glatze hatte er, weil er
00:49:46: bei einem Duell, da hat ihm jemand mit einem Säbel auf den Kopf gehauen und das wurde dann vernäht.
00:49:52: Und behandelt mit etwas, was wiederum zum Haarausfall führte.
00:49:57: Also, er war eigentlich äußerlich kein heroischer Mensch.
00:50:01: Trotzdem ein absoluter Frauentyp, der sich dreimal am Tag neu parfümiert hat. Als er aus Fiume ausziehen musste,
00:50:10: am Ende, tatsächlich wohl... das hatte ich gelesen,
00:50:13: alleine zweitausend Unterhosen in Lastwagen hat bringen lassen.
00:50:18: Er war ein Dichter, auch da finde ich, ohne dass ich jetzt Germanist bin, aber wahnsinnig schwülstiger Dichter, der seine Inhalte dann veränderte.
00:50:27: Er war sein schwülstiger 19.-Jahrhundert-Dichter eigentlich irgendwie, und ist dann aber zum Nationalismus gewechselt und spürte, als extremer Narzisst, merkte er, wie sehr er die Menschen in den Bann ziehen kann durch seine Sprache.
00:50:43: Und dann stand er eben wahnsinnig, das hat er, glaube ich, sehr geliebt, auf Balkonen zu stehen.
00:50:47: Ansprachen zu halten, die Leute liebten ihn. Er hat es beschrieben, als dass sie wie mit Honig bestrichen alle sind, sobald er zu reden beginnt, und weil ja Fiume letztendlich auch eine Vorstufe zum Faschismus war und Mussolini viel gelernt hat dort.
00:51:07: Ich glaube, dass man D'Annunzio nicht unterstellen kann...
00:51:11: Ich glaube nicht, dass er Faschist war und reiner Narzisst war – was bei vielen zum Faschismus führenden Populisten der Fall ist.
00:51:21: Nachdem D'Annunzio und seine Legionäre im September 1919 in Fiume einmarschiert sind, belegt die internationale Staatengemeinschaft die besetzte Stadt mit einem Embargo.
00:51:35: Fiume verwandelt sich in den wohl schrägsten Staat der Geschichte.
00:51:39: In Fiume leben ab September 1919 rund 15 Monate lang die Menschen in zwei völlig unterschiedlichen Wirklichkeiten nebeneinander.
00:51:50: Auf der einen Seite die Menschen, die ab dem September 1919 nach Fiume gereist sind, um die Stadt nach eigenem Verständnis zu befreien. Dichterfürst Gabriele D'Annunzio,
00:52:01: die kriegserfahrenen Legionäre an seiner Seite und die Freaks, wie Dirk Stermann sie genannt hat.
00:52:08: Die Künstler und Anarchisten.
00:52:10: Diese Menschen leben in einem Paradies der Jugend, wie es im Jahr 1920 der Autor der Zeitungsreportage geschrieben hat, die ich am Anfang dieser Episode zitiert
00:52:21: habe.
00:52:23: Das ist die wundersame Realität, die in dieser Zeitungsreportage beschrieben wird.
00:52:28: Trotz aller politischen Schwierigkeiten, trotz der Blockade der Stadt, trotz des massiv eingeschränkten Wirtschaftslebens scheint es Überfluss an allem zu geben.
00:52:37: Aber das gilt nur für einen Teil der Menschen
00:52:41: in Fiume.
00:52:42: Das ist nur DER Teil der Geschichte, den D'Annunzio und seine Legionäre gerne vorzeigen, von dem sie gerne erzählen.
00:52:51: Auf der anderen Seite stehen in Fiume die Menschen, die schon vor dem September 1919 in der Stadt gelebt haben.
00:52:58: Diese Menschen werden in der Zeitungsreportage vom Anfang dieser Episode nur kurz erwähnt,
00:53:03: von apathischer Gleichgültigkeit ist da die Rede.
00:53:07: Für die meisten Bewohner von Fiume sind die Monate unter der Herrschaft von D'Annunzio und seinen Legionären kein Paradies der Jugend.
00:53:15: Sie erleiden den wohl schrägsten Staat der Geschichte mehr, als dass sie ihn
00:53:19: erleben.
00:53:21: Eine treue Hörerin von „Kurz gesagt: Italien“, die Historikerin Silvia Cornacchiari, hat ihre Masterarbeit darüber geschrieben, wie in Italien an Gabriele D'Annunzio erinnert wird.
00:53:33: Silvia hat sich unter anderem auch tief eingearbeitet darin, wie das Alltagsleben in Fiume unter der Herrschaft der Legionäre war – und ein umfangreiches Kapitel dazu recherchiert und geschrieben.
00:53:45: Auf der einen Seite das berauschende, aufregende Leben im Ausnahmezustand der Besatzer, der Legionäre und Künstler.
00:53:53: Auf der anderen Seite der nackte Überlebenskampf der einheimischen Bevölkerung – der Fiumani.
00:53:59: Während die einen Geschichte schreiben wollen, wollen die anderen einfach nur den nächsten Tag
00:54:04: erleben.
00:54:05: Was die Legionäre und ihre Freunde erleben, nennt Silvia Cornacchiari ein Revolutionsfest.
00:54:11: Für die jungen Soldaten – die sogenannten Scalmanati, die Hitzköpfe – war Fiume die Rettung vor der Langeweile eines bürgerlichen Lebens nach dem Krieg.
00:54:21: Menschen, die, so schreibt sie wörtlich, durch die ununterbrochene Mobilisierung und das Festklima in der Stadt den Rückzug in das private und monotone Leben nach dem Ersten Weltkrieg aufschieben
00:54:31: konnten.
00:54:43: Das tägliche Leben D'Annunzios und seiner Gefährten in Fiume ist eine Art Kunstaufführung.
00:54:49: Jeder Tag ist eine Inszenierung, der schwarze Fes, der Filzhut mit flachem Deckel und herunterbaumelnder Quaste, wird zum modischen Muss im Stadtbild.
00:54:58: Da sind die täglichen Rituale, das Singen des Liedes Giovinezza, das hier im Hintergrund zu hören ist.
00:55:21: Da sind die berühmten Balkonreden D'Annunzios am Gouverneurspalast in Fiume.
00:55:26: Die Legionäre, die Künstler und Anarchisten, geprägt und gezeichnet vom Weltkrieg, inspiriert von den radikalen Umbruchideen der Futuristen, leben in Fiume nach einer neuen Moral.
00:55:38: Eine Moral, die radikal anders ist als sie in weiten Teilen Italiens – in diesem damals vielerorts erzkatholischen Land – gilt.
00:55:47: Die Abenteurer von Fiume leben nach einer Moral, in der die Jugend, das pralle fieberhafte Leben über allem stehen.
00:55:55: Silvia Cornacchiari zitiert in ihrer Arbeit Berichte über Kokainkonsum und die Tolerierung von Homosexualität, Bisexualität und freier Liebe.
00:56:04: Etwa in den Memoiren des Legionärs Giovanni Comisso über den exzentrischen Flieger Guido Keller von Wolkenkeller.
00:56:13: Es war, als hätte jemand für 15 Monate die bürgerlichen Gesetze einfach ausgeknipst.
00:56:19: Der Kampfflieger Guido Keller ist eine der prägenden Figuren in Fiume, der Republik der Irren.
00:56:26: Er praktiziert Yoga, schläft in Fiume halbnackt auf Bäumen, trägt einen zahmen Adler auf den Schultern und geht mit einem Esel namens Camillino spazieren.
00:56:37: Auf seine Flüge im Doppeldecker nimmt er ein Teeservice mit.
00:56:40: Über den Wolken liest er das Renaissanceepos Orlando Furioso.
00:56:47: D'Annunzio beauftragt Keller damit, das Ufficio Colpi di Mano zu gründen – das Ministerium für Handstreiche. Unter den exzentrischen Gestalten, die Fiume anzieht, sticht Harukichi Shimoi hervor.
00:57:01: Ein japanischer Gelehrter aus einer Samurai-Familie, der die Verse des italienischen Nationaldichters liebt, den Arditi Karate und Bushido beibringt und am Ende Neapolitanisch sprechen wird.
00:57:14: Wenige Tage nach dem Marsch D'Annunzios auf Fiume kommt auch Tomaso Marinetti in die Stadt – der Begründer des Futurismus.
00:57:22: Er wird ein Tagebuch schreiben über seine Zeit in Fiume.
00:57:26: Doch Fiume, die vermeintlich utopische Città di Vita – die Stadt des Lebens, wie D'Annunzio sie nennen wird, hat eine extrem dunkle Kehrseite.
00:57:38: Denn während D'Annunzio auf den Balkonen steht und von Heldentum spricht, knurren in den Gassen der Stadt die Mägen.
00:57:47: Die wirtschaftliche Realität ist in Fiume oft katastrophal.
00:57:51: Neben der internationalen Blockade verhängt auch die italienische Regierung unter Ministerpräsident Francesco Nitti nach der Einnahme durch die Legionäre eine Blockade über die Stadt.
00:58:02: Es gibt kaum Brennstoff, kaum Lebensmittel.
00:58:04: Um die hungernde Stadt zu versorgen, gründet D'Annunzio die Uskocchi, staatlich beauftragte Piraten, die Frachtschiffe in der Adria kapern und Lösegeld erpressen.
00:58:16: Den Uskocchi haben die Kämpfer in Fiume wohl auch zu verdanken, dass es in der Stadt trotz der Blockade angeblich Weißbrot zu essen gibt.
00:58:24: So steht es ja zumindest in der Zeitungsreportage aus dem Jahr 1920.
00:58:30: Aber für die einfache Bevölkerung ist Weißbrot ein ferner Traum, so wie überhaupt der angebliche Überfluss, von dem der Autor der Reportage aus Fiume vom Beginn dieser Folge staunend schreibt.
00:58:44: D'Annunzio selbst nennt Fiume die Città Olocausta, die Stadt des totalen Opfers, um das Leiden der Bewohner für seine nationalistische Idee zu romantisieren.
00:58:56: Für die Bürger von Fiume bedeutet all das keinen Nervenkitzel, sondern schlichtweg Hunger.
00:59:02: Während die Legionäre feiern, versucht die stille Mehrheit in der Stadt irgendwie die Müllabfuhr, die Schulen und Gerichte am Laufen zu halten.
00:59:11: Und von radikaler Toleranz und prallem Leben kann vor allem für die slawische Bevölkerung in Fiume gar keine Rede sein.
00:59:19: Unter Berufung auf kroatische Quellen schreibt Historikerin Silvia Cornacchiari von einer regelrechten Terroratmosphäre.
00:59:26: Die Arditi drangsalieren kroatische Händler.
00:59:29: Slawische Sprachen, Kroatisch, Slowenisch, Serbisch, werden auf den Märkten verboten, weil sie den Eindruck der reinen Italianità der Stadt stören, den die Legionäre ja unbedingt bewahren wollen.
00:59:44: Denn Fiume, das ist ja das Hauptziel ihres Unterfangens, soll italienisch sein.
00:59:50: Aber auch für die nicht-slawische Bevölkerung ist es nicht allzu weit her mit der radikalen Freiheit.
00:59:55: Am 18. Dezember 1919 etwa, drei Monate nach dem Einmarsch der Legionäre, findet in Fiume eine Volksabstimmung darüber statt, wie es weitergehen soll. Als sich abzeichnet, dass eine Mehrheit der Bevölkerung für den Vorschlag der italienischen Regierung in Rom ist, aus Fiume einen Freistaat unter italienischem Schutz zu machen, stürmen Legionäre die Wahllokale, zerstören die Wahlurnen.
01:00:19: D'Annunzio erklärt offen, er erkenne die Abstimmung nicht an, sondern nur den Jubel seiner Soldaten.
01:00:27: Am 12. August 1920 ruft D'Annunzio in Fiume einen unabhängigen Staat aus, die Reggenza del Carnaro auf Deutsch – die italienische Regentschaft am Quarnero.
01:00:43: Am 8. September 1920 gibt sich die Regentschaft zudem eine für die damalige Zeit radikale Verfassung.
01:00:50: Die Carta del Carnaro garantiert Frauen das Wahlrecht und macht Musik zur kostenlosen verfassungsrechtlichen Pflicht für alle Bürger.
01:00:59: Eheleute dürfen sich scheiden lassen, während das in Italien noch verboten ist und noch jahrzehntelang verboten bleiben wird.
01:01:07: Wobei, so schreibt es Historikerin Cornacchiari, eigentlich können sich Eheleute damals in Fiume schon seit Langem scheiden lassen.
01:01:15: In der Stadt hat ja bis zum Ende des Ersten Weltkriegs ungarisches Recht gegolten, schon lange reisen Italiener in die Stadt und in andere Teile Ungarns, um sich dort scheiden zu lassen.
01:01:25: Von „viaggi della speranza“ nach Fiume, Reisen
01:01:27: aus Hoffnung, schreibt der Rechtshistoriker Paolo Passaniti in einem Aufsatz über diese Sonderregel, die schon seit vielen Jahren in der Stadt gilt.
01:01:36: D'Annunzio und die Legionäre haben das Scheidungsrecht aber ganz geschickt als ihre Errungenschaft vermarktet, als Teil eines Aufbruchs in eine neue Zeit, der in Fiume unter der Herrschaft der Legionäre stattfinden soll.
01:01:50: Über dieses von D'Annunzio so klug vermarktete Aufbruchsgefühl habe ich mit Dirk Stermann, dem Autor des Romans Republik der Irren, gesprochen.
01:02:01: Das ist ja eines der Spannungsfelder in Ihrem Buch.
01:02:04: Wir haben diesen Protagonisten Cherubino, einen jungen Mann aus einem bitterarmen Hirtendorf in den Bergen der Abruzzen.
01:02:10: Und er trifft auf diese radikale, intellektuelle Avantgarde der Futuristen.
01:02:14: Es gibt diese Szene am Beginn Ihres Buchs... in diesem Restaurant in Rom, wo er mit sozusagen dem Bauch knurrt und ja, an den Pasta essenden Menschen vorbeigeht.
01:02:22: Und da kommt dann dieser Raum, wo die Futuristen über die futuristische Küche sprechen und davon, dass Italien die Pasta überwinden muss sozusagen.
01:02:31: Sie zeigen ja einen großen Konflikt dieser Zeit auf.
01:02:33: Sie haben diese Arditi um Fiume kämpfen und dieses unglaubliche Projekt dieser Reggenza del Carnaro, diese Staatsidee umzusetzen versuchen.
01:02:40: Die kommen aus einem Land, in dem der südliche Teil zum größten Teil wirklich noch im mittelalterlichen Elend lebt.
01:02:46: Also über ein Drittel der Bevölkerung im ganzen Land noch nicht lesen und schreiben kann und selbst im Nordteil noch Menschen an den Folgen von Mangelerkrankungen wie Pellagra leiden.
01:02:57: Wie bringt man das zusammen?
01:02:59: Wie passt das zusammen in dieser Zeit?
01:03:02: Also für mich beim Schreiben war es so, eben für mich war es wichtig, dass es erzählt wird, die ganze Geschichte, von jemandem, der kein Futurist ist und dadurch das aus der Distanz, die Merkwürdigkeit dieser ganzen Forderungen und Ideen genauso empfinden kann, wie ich es getan habe, als ich über den Futurismus gelesen habe, weil's ja wirklich crazy ist.
01:03:22: Ich meine, das waren ja alles Leute, die auch in Frankreich oder in Deutschland waren, die Futuristen.
01:03:27: Das war aber die Bevölkerung Italiens zu dem Zeitpunkt nicht.
01:03:30: Da waren Kulturtouristen die anderen.
01:03:33: Das heißt, du bist jetzt tatsächlich, sagen wir, du bist in einem Bergdorf extremst katholisch, gehst nicht in die Schule, bist sehr arm,
01:03:42: einzige Chance tatsächlich ja für viele damals die Auswanderung.
01:03:46: Und dann sind da diese Anderen, die sagen: „Wir müssen Venedig zuschütten, die Kanäle, weil das ist das alte Italien.
01:03:51: Wir bauen dort eine riesige Fabrik, die irgendwas mit Eisen herstellt. Und es muss immer laut sein und krachen und wir preisen den Salto Mortale und den Faustschlag.“
01:04:00: Das klang natürlich alles crazy.
01:04:03: Ich nehme mal an, dass es, wenn du jetzt sagen wir zu dem Zeitpunkt im Schwarzwald oder im Harz gelebt hast und du dann gesehen hast, wie die Dada-Leute drauf waren, dass das eine ähnliche Empfindung wahrscheinlich war, weil auch, glaube ich, der Harz nicht viel weiter war wirtschaftlich als Süditalien zu dem Zeitpunkt oder der Westerwald als die ärmste Gegend in Deutschland.
01:04:28: Und das ist natürlich immer so diese Bruchstellen zwischen den sogenannten normalen Menschen und Künstlern, die halt dazu neigen, Freaks zu sein.
01:04:37: Und das Ganze war natürlich auch noch wirklich befeuert durch nicht nur Alkohol, also nicht nur Lambrusco – der Treibstoff der Futuristen, wie Sie ihn nennen – sondern tatsächlich ja auch durch Kokain und alle möglichen Drogen so.
01:04:51: Was ich aber ganz hübsch fand, war, dass natürlich zu dem Zeitpunkt in Italien Ehescheidung verboten war, sehr katholisch – Ehescheidung ging nicht
01:04:58: bis in die siebziger Jahre
01:04:59: Genau, genau.
01:05:00: Und in Fiume aber ging's bei den Futuristen dann.
01:05:03: Die haben eine neue Welt gegründet, das heißt, die Leute sind dann tatsächlich auch in Scharen aus Italien nach Fiume, um sich endlich scheiden lassen zu können.
01:05:11: Insofern glaube ich zumindest, dass die scheidungswilligen Menschen damals sehr glücklich waren über Fiume.
01:05:17: Wir haben schon über die Futuristen gesprochen.
01:05:19: Es ist eine Künstlerbewegung, wie Sie gesagt haben, die ja wirklich alles über den Haufen werfen will.
01:05:23: Sie haben die Kanäle von Venedig erwähnt, die sie zuschütten wollen und die Statuen und Gemälde in den Museen zerdeppern und den Italienern unter anderem die Liebe für die Pasta austreiben.
01:05:32: Und die natürlich auch – das gehört ja dazu – die den Krieg als einzige Hygiene der Welt sieht.
01:05:36: Das Manifest kommt ja schon aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
01:05:40: Warum?
01:05:42: Haben ausgerechnet in Italien, in dieser Kulturnation, die damals schon auch sehr viel darauf hält, eine Kulturnation mit jahrhundertealter Tradition zu sein.
01:05:50: Die Nation Dantes und Boccaccios und des Römischen Reichs.
01:05:55: Warum entsteht ausgerechnet hier diese radikal vorwärtsgewandte und radikal die Vergangenheit hassende Bewegung?
01:06:03: Meine Vermutung ist, dass sich die Italiener, wenn sie dann in Europa unterwegs waren, sich ein bisschen unter Wert verkauft gefühlt haben.
01:06:11: Woanders gab es einfach ein viel gestandeneres Bürgertum als in Italien.
01:06:15: Und es gab aber auch die Moderne, einfach die damalige Moderne, die halt viel präsenter war.
01:06:21: Wenn du als Italiener zum damaligen Zeitpunkt nach England gefahren bist, hast du dich ein bisschen gewundert, was da ist, was die alles schon haben und können, und hast dann immer gefunden, ja wir sind doch eigentlich... Wir sind ja Italien, niemand!
01:06:34: Wir sind Rom.
01:06:36: Das wurde aber von den anderen nicht so gesehen.
01:06:38: Italien wurde nicht sehr ernst genommen in Europa. Und wenn du nationalistisch bist, macht dich das ja wahnsinnig.
01:06:44: Wenn die anderen dich nicht richtig ernst nehmen.
01:06:46: Darum war, glaube ich, suchten die einen Weg möglichst schnell aus allem rauszukommen, also möglichst schnell Italien in etwas anderes zu verwandeln, sodass die Anderen wieder Angst oder, nicht Angst, aber Respekt bekommen für Italien.
01:06:57: Ich glaube, das war das hauptsächlich.
01:07:00: Am Ende zerschellt die von Dirk Stermann beschriebene Republik der Irren an der Realität ihrer Zeit.
01:07:09: Nationalisten und Kriegsveteranen in Italien verehren D'Annunzio und die Arditi von Fiume als Helden.
01:07:17: Die Regierung in Rom aber sieht den schrägsten Staat der Geschichte als Ausdruck einer gefährlichen Rebellion.
01:07:23: In der Hauptstadt regiert im Jahr 1920 inzwischen ausgerechnet wieder Giovanni Giolitti – genau jener Hauptfeind der Kriegsbefürworter, den D'Annunzio und seine Gefolgsleute vor fünf Jahren aus Rom gejagt hatten.
01:07:40: Im November 1920, der unübersetzbare Staat von Fiume existiert nun schon rund ein Jahr und zwei Monate, unterzeichnen Italien und der neue Staat Jugoslawien den Vertrag von Rapallo.
01:07:54: Fiume wird offiziell zum unabhängigen Freistaat erklärt.
01:08:00: D'Annunzio weigert sich jedoch kategorisch, den Vertrag anzuerkennen.
01:08:07: Sein Freund und Kampfflieger Guido Keller steigt in seinen Doppeldecker, fliegt von Fiume aus über Rom.
01:08:14: Wirft aus patriotischer Liebe für Italien Rosen über dem Vatikan und dem Königspalast auf dem Quirinalshügel ab – und über Montecitorio, dem Sitz des italienischen Parlaments, wirft er einen Nachttopf ab.
01:08:28: Einen Nachttopf mit Rüben und Karotten gefüllt.
01:08:32: Ein Geschenk für Parlament und Regierung, die ihre Macht auf Lüge und Angst gründen, und ein greifbares Zeichen für ihren Wert.
01:08:39: So steht es auf einem Zettel, der dieser Botschaft Guido Kellers beiliegt.
01:08:45: D'Annunzio und die Arditi bleiben inzwischen in Fiume.
01:08:53: Die italienische Regierung unter Giovanni Giolitti greift danach hart durch.
01:08:58: Nach fünfzehn Monaten Herrschaft der Legionäre rückt am 25. Dezember 1920 das italienische Militär vor.
01:09:06: Die Armee, massiv unterstützt von der Marine, feuert tagelang mit schwerer Artillerie auf die Stellungen der Legionäre in Fiume und auf den Gouverneurspalast.
01:09:15: Natale di Sangue – blutige Weihnachten, so werden diese Tage später genannt.
01:09:21: Nach dutzenden Toten unter Soldaten und Zivilisten ergibt sich D'Annunzio am 29. Dezember.
01:09:30: Die Reggenza del Carnaro, die Republik der Irren, der wohl schrägste Staat der Geschichte, ist damit endgültig und gewaltsam beendet.
01:09:41: Der Zeitungsartikel, mit dem diese Folge begonnen hat – diese Reportage über den Staat der Legionäre in Fiume, über das Paradies der Jugend.
01:09:51: Dieser Artikel endet mit diesen Worten.
01:09:56: Zitat Anfang: „Sie rechnen damit, dass, sobald er von Fiume aus aufbricht, nichts seinen triumphalen Vormarsch durch Italien aufhalten wird.
01:10:30: Kein italienischer Soldat wird die Hand gegen D'Annunzio erheben – denn trägt er nicht die Medaille der Verwundeten und den goldenen Tapferkeitsorden?
01:10:38: Ein Großteil der unmittelbaren Zukunft Italiens könnte in den drei Worten liegen, die D'Annunzio in Fiume auf sein Banner geschrieben hat.
01:10:47: Quis contra nos? Wer soll sich gegen uns stellen?“
01:10:54: Ende Oktober 1922.
01:10:58: Knapp zwei Jahre nach dem Ende des schrägen Staats von Fiume lässt ein gewisser Benito Mussolini faschistische Kämpfer auf die italienische Hauptstadt Rom marschieren.
01:11:09: Er wird zum italienischen Ministerpräsidenten ernannt und wird drei Jahre später zum ersten faschistischen Diktator der Geschichte.
01:11:18: Gabriele D'Annunzio bekommt einen prächtigen und gigantischen Alterssitz, das Vittoriale degli Italiani in Salò am Gardasee.
01:11:56: Der Zweite Weltkrieg endet für das faschistische Italien in einer militärischen Katastrophe.
01:12:15: Eine der Folgen: Italien verliert die Stadt Fiume an Jugoslawien.
01:12:20: Die übergroße Mehrheit der Italiener flieht aus der Stadt und aus der umliegenden Region Istrien.
01:12:25: Heute kann das Vittoriale, der Alterssitz Gabriele D'Annunzios am Gardasee, als Museum besichtigt werden.
01:12:34: An die Reggenza del Carnaro, an die Taten der Arditi, an die Republik der Irren wird dort bis heute erinnert – mit Fahnen, Denkmälern, Gedenktafeln.
01:12:47: Fiume heißt heute Rijeka, über achtzig Prozent der Bewohner sind Kroaten, nur noch etwa ein Prozent sind Italiener.
01:13:02: Werbung. Urlaub in Italien? Oder ein paar Tage konzentriert im Homeoffice arbeiten, an einem der schönsten Flecken Norditaliens?
01:13:11: Wir haben da etwas: Die Casa Giardino in Abano Terme. Eine Ferienwohnung für Alleinreisende und Paare in Venetien, am Fuß der Euganeischen Hügel – einem echten Wanderparadies.
01:13:25: Ruhig und gleichzeitig zentral gelegen im Thermalbad Abano Terme.
01:13:31: Padua, Venedig und die Adria-Küste sind schnell erreichbar.
01:13:35: Die Wohnung bietet Garten, Küche, Klimaanlage – und einen voll ausgestatteten Arbeitsplatz mit höhenverstellbarem Schreibtisch und 34-Zoll-Monitor.
01:13:44: Alle Infos unter bit.ly/casa-abano-terme
01:13:49: NOCH EINMAL: bit punkt ELLYPSILON slash casa minus abano minus terme.
01:13:54: Den Link finden Sie auch in den Shownotes.
01:13:57: CI VEDIAMO - AD ABANO TERME! Ende der Werbung.
01:14:05: Das war wieder eine Folge von „Kurz gesagt: Italien“.
01:14:27: Eine Folge, die viel Arbeit bedeutet hat, viel Wühlen in den Archiven, viel Nachforschen.
01:14:34: Aber es hat sich gelohnt, um die unübersetzbar italienische Geschichte von Fiume zu erzählen.
01:14:42: Die Empfehlung zu dieser Folge ist natürlich das Buch „Die Republik der Irren“ von Dirk Stermann, das ich ganz oben in den Shownotes dieser Folge verlinkt habe.
01:14:53: Es ist ein Roman, der, wie gesagt, aus der Perspektive des armen, aus einem Hirtendorf in den mittelitalienischen Abruzzen stammenden Cherubino die unglaubliche Geschichte der Republik Fiume erzählt.
01:15:09: Mit ihren unglaublichen Figuren, mit ihrer unglaublichen Gewalt und Brutalität, mit ihrem unglaublichen Anführer Gabriele D'Annunzio – ein Mann, der größer war als das Leben und der bis heute für die italienische Kultur eine wirklich bedeutende Rolle spielt und dessen Geschichte dabei hilft, Italien, wie es heute ist,
01:15:34: wie es zu dem geworden ist, was es heute ist, besser zu verstehen.
01:15:38: Ich habe noch einen zweiten und noch einen dritten Tipp in diesem Passaparola.
01:15:43: Der zweite Tipp ist ein Feature, ein Hörfunkfeature im Deutschlandfunk Kultur, das schon vor einigen Monaten erschienen ist.
01:15:51: Es ist ein Feature über die Musik der italienischen Futuristen. Denn neben vielen anderen futuristischen Dingen, die die Futuristen eben radikal anders machen wollten in Italien, neben der Küche – über die in der Folge Coperto
01:16:06: schon die Rede war, die Küche der Futuristen –, über die Literatur natürlich, über die Kunst, ging es auch um die Musik.
01:16:13: Die Futuristen haben komplett neuartige Formen von Instrumenten entworfen, die Intonarumori.
01:16:20: Diese Intonarumori waren schon in der Folge Coperto kurz einmal im Hintergrund zu hören, und in dem Deutschlandfunk Kultur Feature, das ich eben zu dieser Folge empfehle, sind die Intonarumori zu hören und ist die Geschichte dieser Intonarumori zu hören.
01:16:36: Eine sehr hörenswerte Folge, die eben auch ein bisschen weiter und ein bisschen besser dabei helfen kann zu verstehen, was der Futurismus für Italien bedeutet hat und warum er ausgerechnet in Italien entstanden ist und inwiefern er dieses Land geprägt hat und noch heute prägt.
01:16:55: Ein dritter Tipp für alle, die sich reinhängen wollen, ist das Buch „Disobbedisco“ von Giordano Bruno Guerri.
01:17:02: Giordano Bruno Guerri ist seit 2008 Leiter der Stiftung, die das Vittoriale in Salò am Gardasee betreibt. Das Museum am spektakulären Alterssitz von Gabriele D'Annunzio, den ich in der Folge erwähnt habe.
01:17:14: Guerri stellt D'Annunzio seit Jahren als eher romantischen Revolutionär vor, der dem Faschismus fern gewesen sei.
01:17:22: Das sollte man wissen, wenn man das Buch liest. Ungeachtet dessen lohnenswert zu lesen.
01:17:26: Es ist spannend geschrieben, es beruht auf viel historischem Archivmaterial und ist eine weitere Perspektive auf Fiume und die Geschichte des Unterfangens von Fiume.
01:17:39: „Kurz gesagt: Italien“ gibt es überall dort, wo es Podcasts gibt.
01:17:43: Alle Infos dazu unter kurzgesagtitalien.de.
01:17:47: Wenn euch „Kurz gesagt: Italien“ gefällt, wenn ihr Menschen kennt, wenn Sie Menschen kennen, die sich für Italien interessieren, denen Italien wichtig ist, empfehlt ihnen, empfehlen Sie ihnen diesen Podcast.
01:17:58: Bitte hinterlassen Sie, hinterlasst Rezensionen und Bewertungen auf Spotify und Apple Podcasts, um mir dabei zu helfen, dass mehr Menschen diesen Podcast finden.
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01:18:23: auf Threads und auf Instagram und Facebook.
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01:18:55: Es gibt drei Mitgliedschaftspakete, alle drei kosten pro Monat jeweils nur so viel wie ein Gericht in einem italienischen Restaurant.
01:19:02: Alle Infos zu den Mitgliedschaftspaketen findet ihr auf mitglied.kurzgesagtitalien.de und man kann die Mitgliedschaften auch verschenken an andere Menschen, die an Italien interessiert sind.
01:19:13: Das geht unter schenken.kurzgesagtitalien.de.
01:19:18: Zwei der drei Mitgliedschaftspakete umfassen auch Bonusfolgen.
01:19:22: Zu „Kurz gesagt: Italien“ und in der nächsten Bonusfolge wird das komplette Interview, das ich mit Dirk Stermann geführt habe, in voller Länge zu hören sein.
01:19:31: Es geht in dem Interview unter anderem auch darum, wie die unübersetzbar italienische Erfahrung von Fiume zwischen 1919 und 1920 bis heute nachwirkt.
01:19:41: Wie Italien mit dem Erbe dieser Zeit umgeht.
01:19:44: Und wie diese Erfahrung Italien verändert hat.
01:19:50: Alle Mitglieder von „Kurz gesagt: Italien“ bekommen außerdem einmal pro Monat den Newsletter Mensile. Im Mensile blicke ich immer auf das zurück, was im vorangegangenen Monat in Italien passiert ist.
01:20:02: Ein Monatsrückblick für alle, die Italien besser verstehen wollen und die auf dem Laufenden dazu bleiben wollen, was in Italien passiert, ohne jeden Tag dutzende italienische Medien durchlesen zu müssen.
01:20:17: Ich möchte zum Ende dieser Folge ein paar Menschen danken, und zwar zum einen dem treuen „Kurz gesagt: Italien“-Hörer Rudi Kogler,
01:20:25: der mich auf dieses Thema hingewiesen hat schon vor längerer Zeit, der mich auch auf das Buch von Dirk Stermann gestoßen hat, „Republik der Irren“, und im Endeffekt den Anstoß gegeben hat
01:20:37: dadurch zu dieser Folge.
01:20:38: Natürlich der Hinweis auf die Historikerin Silvia Cornacchiari, die ihre Masterarbeit mir für diese Arbeit zur Verfügung gestellt hat, was eine sehr wertvolle Fundgrube war und deren Arbeit einen bedeutenden Teil beigetragen hat zu dieser Folge.
01:20:55: Herzlichen Dank an Silvia dazu.
01:20:58: Und einen Hinweis bin ich noch schuldig zur Folge Coperto, über die italienische Restaurantkultur, nämlich Jochen Schwarze, der mich gefragt hat, ob ich nicht mal eine Folge zu diesem Thema, zum unübersetzbar italienischen Coperto machen möchte.
01:21:14: Diese Folge ist jetzt wie gesagt schon seit Längerem online und kann jede und jeder jederzeit hören.
01:21:20: Herzlichen Dank noch mal an Hörer Jochen Schwarze. Diese drei Danksagungen zeigen noch mal, wie wertvoll und wie wichtig für mich und für „Kurz gesagt: Italien“ die Rückmeldungen aus der Community rund um „Kurz gesagt: Italien“ sind. Die Menschen, die nach den Folgen, vor den Folgen, zwischen den Folgen schreiben
01:21:42: und ihre Hinweise, ihre Anregungen und ihre Vorschläge einbringen.
01:21:42: Das ist wahnsinnig viel wert und es zeigt mir, was für eine tolle Gemeinschaft um diesen Podcast, um das Projekt „Kurz gesagt: Italien“ entstanden ist.
01:21:52: Das war's.
01:21:52: A presto, mit der neuen Folge von „Kurz gesagt: Italien“.
01:22:42: Die Titelmelodie ist der Track Italian Singing Hip-Hop von Kala mit einer Creative-Commons-Lizenz.
01:22:48: Die Zwischenmelodien sind von Dominic Ward, ebenfalls mit einer Creative-Commons-Lizenz. Die Originaldateien zu allen in dieser Folge verwendeten
01:22:56: Audioquellen sind in den Shownotes verlinkt.
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